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28.11.2007 | verhört? | komponisten im gespräch | peter michael hamel | gespächspartner reinhard schulz | musik zwischen den welten
klavier, trompete, marimbaphone, zimblen, rin, pedal-tam-tam

 

 

 

 

 

zwischen c und cis – zwischen e und u – zwischen nord/süd und ost/west – zwischen bachelor und freier kunst – zwischen protest und reduktion – das gespräch zwischen dem komponisten peter michael hamel und dem musikpublizisten reinhard schulz dreht sich um zwischentöne und zwischenpositionen.

zur aufführung kommt die „be-sinnliche ballade für zwei“ für trompete, marimbaphon mit zimbeln, rin und pedal-tam-tam, eine münchner erstaufführung, gespielt von edith salmen und hans kröll, zu deren hochzeit das stück komponiert wurde. hamel selbst spielt aus seiner "piano performance“. außerdem sind auszüge der radiokomposition "shoah" zu hören.

der 60jährige münchner komponist ist kompositionsprofessor an der hamburger musikhochschule und lebt mit siebenköpfiger familie im interkulturellen musikinstitut in aschau/chiemgau.

 

20 uhr
giesinger bahnhof
giesinger bahnhofsplatz 1 | 81539 münchen

 

verhört? eine veranstaltung der mgnm – münchner gesellschaft für neue musik – in kooperation mit mittwochs kunstbahnsteig und unterstützt vom kulturreferat der landeshauptstadt münchen



 


foto: gabriele bastian

 

 

> peter michael hamel

 

 

 

Peter Michael Hamel geboren am 15. Juli 1947 in München, erhielt seinen ersten Klavierunterricht im Alter von fünf Jahren, später kamen Violine, Violoncello und Horn hinzu. 1965-70 studierte Hamel Komposition, erst privat bei Fritz Büchtger, anschließend an der Staatlichen Hochschule für Musik in München bei Günter Bialas. Im gleichen Zeitraum auch Musikwissenschaft bei Thrasybulos Georgiades und Carl Dahlhaus, Soziologie und Psychologie in München und Berlin, Beschäftigung mit Free Jazz, politischem Kabarett, Musique Concrète und elektronischer Musik.

Zwischen 1969 und 1974 arbeitete Hamel vorwiegend mit amerikanischen Komponisten zusammen, etwa mit John Cage, Morton Feldman und Terry Riley. Er nahm als Mitarbeiter von Josef Anton Riedl an dessen multimedialen Projekten teil, improvisierte mit Jazzmusikern aber auch mit Luc Ferrari und Carl Orff, experimentierte mit live-elektronischen Mitteln und praktizierte freies Stegreifspiel in der von ihm mitgegründeten international besetzten Improvisationsgruppe Between. Ab 1971 begann er als Pianist, Organist, Sänger und Live-Elektroniker mit eigenen Werke aufzutreten und Tourneen zu unternehmen, die ihn unter anderem nach Bombay, San Francisco, New York, Toronto, Seoul, Rom und Paris führten. Auf mehreren Asienreisen ab 1973 beschäftigte er sich mit dem Studium fernöstlicher Gesangstile und Tonsysteme. Sein daraus gewonnenes Wissen sowie ästhetische Reflexionen zur Musik seiner Zeit fasste er in dem 1976 erschienenen Buch Durch Musik zum Selbst zusammen (Bärenreiter Taschenbuch).

Als Stidendiat der Villa Massimo in Rom 1979/80 schrieb Hamel sein erstes abendfüllendes Bühnenwerk Ein Menschentraum, 1981 in Kassel von Dieter Dorn uraufgeführt. Vortrags- und Konzertreisen führten ihn 1982-1990 durch Europa, USA und Asien. In diesem Zeitraum entstanden neben vielen Kammermusikwerken (darunter das 1986 vom Kronos-Quartett bei den Darmstädter Ferienkursen uraufgeführte 2. Streichquartett) verschiedene Bühnenmusiken für die Münchner Kammerspiele, sowie die Lyrikoper Kassandra (uraufgeführt 1987 bei den Frankfurt Festen). Außerdem wurde seine Musik mehrfach bei den IGNM-Weltmusiktagen aufgeführt, ebenso bei den Salzburger Festspielen und den Berliner Festwochen.

Seine erste große Sinfonie Die Lichtung erklang 1988 zum Abschluß der 1. Münchener Biennale unter Sergiu Celibidache, bei dem Hamel Phänomenologiestudien betrieb, 1990 folgte ein Violinkonzert für Christiane Edinger in der Reihe Musica Viva in München. 1994-95 lehrte Hamel als Gastprofessor an der Musikhochschule Graz. Als Auftragswerk zum 100. Geburtstag der Münchner Philharmoniker 1995 entstand die erfolgreich aufgeführte Missa. Sein vielleicht radikalstes Musiktheater-Projekt, das aus einem Musiktheater und einer Radiokomposition bestehende Shoah, setzt sich mit dem Holocaust auseinander (1990-96).

Hamels Orchester-, Chor- und Kammermusikwerke sind bei Bärenreiter, E.R.P. und Schott verlegt, zahlreiche CD-Veröffentlichungen bei wergo/intuition und Celestial Harmonies, TV-Produktionen, Filmportraits und Stimmfilm-Neuvertonungen für den BR (Passion, 1997) und das ZDF (SWD, Der lebende Leichnam, Dr. Caligari). Neuveröffentlichungen auf CD 2007: Vom Klang des Lebens für Klavier, sowie Streichquartette 3 + 4/Streichtrio (Celestial Harmonies).

1997 wurde Hamel als Professor für Komposition und Theorie an die Hamburger Hochschule für Musik und Theater berufen. Dort hat er das Studio 21 für aktuelle Musik aufgebaut und ist präsidialer Beauftragter für interkulturelle und interdisziplinäre Projekte. Mit seinem 1995 gegründeten Interkulturellen Musikinstitut in Aschau/Chiemgau, dem Hauptwohnsitz seiner siebenköpfigen Familie, schuf er ein über die Grenzen des akademischen Betriebs hinaus arbeitendes Forum für harmonikale Grundlagenforschung, akustische Kunst, Ethnomusikologie, Gruppenimprovisation, sowie Stimm- und Atemarbeit.

Seit 2000 ist Hamel Vorsitzender der Musiksektion an der Freien Akademie der Künste, Hamburg. 2006 beendete der Komponist seine 2.Sinfonie Die Auflösung (UA 29.4.2008 bei der 11.Münchener Biennale) und arbeitet derzeit an einem umfänglichen Musiktheaterprojekt zum Thema Nahtoderfahrung.

Zahlreiche Preise würdigten sein Schaffen, darunter Förderpreise der Städte Bonn (1974), Stuttgart (1975), München (1977), der GEMA-Stiftung (1981), zweimal "rostrum of Composers", Paris. Er war "Composer in residence" im Westen der Republik Irland und beim Schleswig Holstein Musikfestival 1988. Im gleichen Jahr folgte der Schwabinger Kunstpreis der Stadt München und 1994 ein Preis beim Carl-Orff-Wettbewerb für zeitgenössisches Musiktheater, München. 2007 wird Hamel für seine Chormusik mit dem Gerhard-Maasz-Preis ausgezeichnet.